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14/09/09 10:59

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BEGEGNUNG STATT ERZIEHUNG

 

Erziehung ja oder nein, streng oder locker, nach Regeln oder frei ... immer wieder ein heiß umstrittenes Thema.

Erziehung, wo fängt sie an, wo hört sie auf? Gehören solche Fragen in die Ecke Pädagogik, Schule und Elternschaft? Oder sind wir nicht alle tagtäglich damit beschäftigt, uns selbst zu erziehen, uns gegenseitig erziehen zu wollen, unabhängig vom Alter?

Was ist überhaupt Erziehung? Ein Ziehen an Händen und Füßen des heranwachsenden Kindes? Ein Machtspiel? Manipulationsversuche und Eingriffe in die Schöpfung?

Wer erzieht eigentlich wen? Die Kinder ihre Eltern oder die Großeltern ihre Enkel? 

Das Leben spricht von selbst: Eindeutige, ausschließende, immergültige Antworten auf solche Fragen gibt es nicht, Gott sei Dank. Dennoch stelle ich mit dem Titel dieser Web-Site eine Forderung, die der Erziehung ihre Vormachtstellung nimmt: Begegnung statt Erziehung.

Warum? Weil ich finde, dass wir Menschen zu wenig horchen, zu wenig beobachten, zu wenig wirken lassen, bevor wir wagen, aktiv zu sein, einzugreifen und zu handeln. Die Flucht nach vorne äußert sich in allen mir bekannten Bereichen, es wird gemacht und gestartet und geredet und geschrieben und gestritten und diskutiert ... ohne innezuhalten, ohne die eigenen Sinne in die Weite schweifen zu lassen, hin zu seinem Nächsten, sei er klein oder groß. Gelehrt wird viel ... aber wahrhaft gelernt und erfahren kaum.

Diesem für mich höchst alarmierenden Trend möchte ich entgegensteuern, indem ich fordere, der unvoreingenommenen neugierigen Begegnung den Vorrang zu schenken, so schwer es auch fallen mag in dieser durchorganisierten, scheinbar zeitarmen »Gesellschaft«, die nur durch uns besteht, durch Sie, dich und mich. Niemand ist machtlos, alles hat einen Sinn, jedes Tun und Lassen hat eine Wirkung, und sei es nur ein Windhauch, der im entscheidenden Moment ein Blatt vor die offenen Augen eines wachen Kindes weht, sei es zwei Monate oder 85 Jahre alt ... für sinnliche Erfahrung ist es nie zu spät ... so lange wir leben.

Jutta Riedel-Henck, Januar 2001

 

© 2004 by Herbert Henck

 

 

© 2004 Jutta Riedel-Henck